Verein zur Unterstützung der Rural Youth Association – RYA

Geschichte

Der Ghana e.V. wurde 1988 innerhalb der Niedersächsischen Landjugend (NLJ) gegründet und hat heute mehr als 100 Mitglieder. Der Verein trägt sich aus Geld- sowie Sachspenden und Vereinsbeiträgen.

Durch den Weltlandjugendtag Anfang der 80er Jahre begann in der NLJ die Beschäftigung mit Mikroprojekten der Entwicklungshilfe. Nach der Jugendveranstaltung im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) 1988 zu einem entwicklungspolitischen Thema, konkretisierten Mitglieder der NLJ die Idee, einen eigenen Verein für Entwicklungshilfe zu gründen. Dieser sollte Kontinuität und Verläßlichkeit für eine Partnerorganisation gewährleisten. Durch persönliche Kontakte einer Landjugendlichen zu einem Entwicklungshelfer des ded (Deutscher Entwicklungsdienst) in Ghana entstand der Kontakt zu Frau Theresa Nyarko-Fofie. Der Ghana e.V. war geboren.

Zu dieser Zeit war sie eine einheimische Entwicklungshelferin und arbeitete für die FAO (Food and Agriculture Organization). Nach Ablauf ihrer dortigen Anstellung unterstützte sie der Ghana e.V. für etwa 2 Jahre, bis sie 1993 ins Parlament in Accra gewählt wurde. Sie gehört der Regierungspartei ANC an und ist Sprecherin einer westafrikanischen Delegation mit der sie an UN-Konferenzen in Kairo, Kopenhagen und Peking teilnahm.

Dem Einsatz von Frau Theresa Nyarko-Fofie ist es mit Untersützung des Ghana e.V. zu verdanken, daß in den Distikten Wenchi und später auch in Nkoranza eine sich selbsttragende Kreditgenossenschaft (Teil der RYA) aufgebaut wurde. Bereits 1989 wurde die RYA als NGO (Non Governmental Organization) von der Regierung in Accra anerkannt. Der persönliche Kontakt zu den Gruppen in Ghana wird durch gegenseitige Studienreisen ermöglicht. Der Ghana e.V. führte bisher 5 Studienreisen von Mitgliedern nach Ghana durch.Theresa Nyarko-Fofie ihrerseits besuchte die Bundesrepublik Deutschland 1993 und 1996 mit unterschiedlichen Mitgliedern der RYA. Die Besucher aus Ghana werden durch Frau Nyarko-Fofie auf die kulturellen Unteschiede zwischen den Ländern vorbereitet. Während ihres Aufenthaltes wurde ihnen jedesmal ein umfangreiches Programm geboten. Die Gruppen besuchten verschiedene landwirtschaftliche sowie handwerkliche Betriebe, kulturelle und naturkundliche Museen. Auch eine Mülldeponie, die Fachhochschule Wolfenbüttel, eine Windkraftanlage, das J.Kepler-Gymnasium in Garbsen, ein Kindergarten und ein Krankenhaus wurden besichtigt. Der Besuch bei diversen Landjugendgruppen gab zusätzlich die Möglichkeit zu persönlichem Erfahrungs- und Informationsaustausch.

Der Ghana e.V. bietet auf Wunsch allen Interessierten verschiedenartige Informationsseminare an. Afrikanische Küche, Ghana (Land und Leute) und Projekte in Ghana werden u.a. als Themen angeboten. Als Ergänzung stehen eine Ausstellung, sowie eine Ton-Dia-Show zur Verfügung.

Zielgruppe:

Frauen und Jugend im ländlichen Raum

Warum ist Entwicklung im ländlichen Raum nötig? Es gilt die:

Warum die Zielgruppe Frauen und Jugend“?

Frauen sind traditionell für Familie und Ernährung verantwortlich. Das bedeutet z. B.:

Allein zum Wasserholen werden weite Wege zu Fuß zurückgelegt, mehrere Kilometer mehrmals täglich! Durch den damit verbundenen hohen Zeitaufwand, bleiben den Frauen selbst einfache Bildungsmöglichkeiten verwehrt.

Wasser - das Schlüsselproblem!

Leitungswasser wie bei uns gibt es nicht! Traditionelle Wasserstellen sind Flüsse und Wasserlöcher. Problem: Während der Trockenzeit ist kaum Wasser verfügbar und die Qualität ist durch Krankheitserreger der Bilharziose, Flußblindheit und Durchfallerkrankungen sehr schlecht. Die Folge ist eine zusätzliche Belastung der Frauen durch Krankenpflege, denn die medizinische Versorgung ist unzureichend, schwer erreichbar und teuer. In der Regenzeit kommt es zu einer starken Verschmutzung des Wassers durch Erosion und Zivilisationsabfälle (Abwasser, Öl, Müll) aus den Dörfern.

Abhilfe => Brunnenprojekte

Ziel: Verbesserung der Trinkwasserversorgung durch Qualitätssteigerung und optimale zeitliche Verfügbarkeit. Das Brunnenprogramm der RYA umfaßt :

Die Brunnen werden von einem Wartungsteam der RYA betreut. Zur Finanzierung wird ein Kostenbeitrag pro Wassereimer (10 l) von etwa 0,01 Euro erhoben. Außer für Ersatzteile und Wartung werden die so entstehenden Rücklagen für die Finanzierung kommunaler Gemeinschaftsprojekte verwendet. Die RYA bemüht sich, um die einheitliche technische Ausstattung der Brunnen. Die Pumpen bestehen aus ca. 16 Bauteilen, sind sehr wartungsarm und mit geringem Ersatzteilaufwand zu reparieren.

Die Kreditgenossenschaft

Die RYA wurde vom Ghana e.V. mit einem Startkapital von insgesamt 25.000,- Euro ausgestattet (1988-1996). Zur Zeit existieren 30 Gruppen der RYA in den Distrikten Nkoranza und Wenchi. Die Gruppengrößen reichen von 5-30 Mitgliedern.

Die Kredite

Einzelkredit: Jedes Mitglied kann einen Kleinkredit (bis 250,- Euro) erhalten. Diese Kredite sind zweckgebunden für landwirtschaftliche Projekte (z. B. Kauf von Saatgut) und beinhalten die Verpflichtung zur Anpflanzung und Pflege von jährlich 5 Bäumen. Die Kredite sind innerhalb eines Jahres zurückzuzahlen.

Gemeinschaftskredit: Ein Beispiel hierfür ist das Sikaa-Frauen-Projekt. Der Kredit wurde für die Einrichtung eines Kleinbetriebes zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte verwendet. Durch die tägliche Zeitersparnis ist es den Frauen jetzt möglich, an Weiterbildungsprogrammen teilzunehmen. Alle Kredite werden revolvierend genutzt, d. h. die rückfließenden Beträge werden für die Vergabe neuer Kredite verwendet.

Aufforstungsprogramm/Agroforestry

Das Programm dient im wesentlichen

Dadurch erreicht man:

Zur Markierung der bewirtschafteten Flächen pflanzt die RYA Baumreihen, die die oben genannten Vorteile beinhalten. Durch die Kombination von Aufforstung und Landwirtschaft -Agro Forestry- werden folgende Effekte erzielt:

Die bevorzugten Bäume sind Mango und Cashew und das schnellwachsende Teak. Da Teakholzstämme als Strommasten Verwendung finden, ist Teak eine zusätzliche Einnahmequelle.

Landwirtschaft

Der zunehmende Bevölkerungsdruck erfordert die Abkehr von der traditionellen Brandrodung (Shifting Cultivation), um dem Vordringen der Wüste Einhalt zu gebieten. Neu angelegte Felder werden mit Baumreihen eingegrenzt. Die Urbarmachung des Bodens erfordert den Einsatz von Traktoren mit Scheibenpflügen. Zur weiteren Bearbeitung der Felder werden dann Ochsengespanne eingesetzt. Der Ghana e.V. hat der RYA in den Distrikten Wenchi und Nkoranza je einen Traktor zur Verfügung gestellt. Jeder Einsatz erfolgt gegen Endgeld. Die so gewonnenen Mittel werden teilweise für die Traktorwartung zurückgelegt und zum anderen in den Gruppen für die Projektarbeit eingesetzt. So werden z.B. die Ochsengespanne mit Mitteln der RYA gekauft und trainiert. Für die Traktoren gibt es jeweils einen eigenen Operator, der für die Koordination, Wartung und Reparaturen verantwortlich ist.

Tierhaltung

Die überwiegend einseitige Ernährung (Proteinmangel) macht eine Umstellung auf eiweißreiche Nahrungsmittel erforderlich. Aus diesem Grund unterstützt die RYA mit finanzieller Hilfe durch den Ghana e.V. neue Tierhaltungsprojekte. Es werden Kredite vergeben, die die Aufzucht und Hege von Schweinen, Ziegen, Kaninchen, Enten, Schnecken und Bienen fördern. Das größte Problem dieser Projekte ist die Versorgung mit Wasser! In der Trockenzeit kann die Versorgung mit ausreichend Wasser nicht gewährleistet werden.

Energie

Das Elektrifizierungsprogramm Ghanas wird die letzten Dörfer voraussichtlich erst im Jahre 2017 erreichen! Aufgrund der hohen zeitlichen Arbeitsbeanspruchung können Bildungsveranstaltungen erst in Abendstunden wahrgenommen werden. In Ghana geht die Sonne wegen der Äquartornähe ganzjährig bereits um 18 Uhr unter. Eine Beleuchtung mit Petroleumlampen oder Kerzen ist sehr teuer, oft unerschwinglich. Aus diesem Grund stellt die RYA besonders abgelegenen Dörfern Solarlichtanlagen für die abendlichen Unterrichte zur Verfügung.

Die Bildungsprogramme umfassen:

Der hohe Bevölkerungsdruck ist mitverantwortlich für die Vernichtung des Baumbestandes, da mehr und mehr Brennholz zum Kochen benötigt wird. Seit kurzem werden Solarkocher zum Kochen eingesetzt. Vorteile:

Die Solarkocher sind einfach zu bedienen und benötigen wenig Material beim Aufbau.

Ausbildung

Die Förderung von Ausbildungsprogrammen gibt gerade jungen Menschen eine berufliche Perspektive. Dadurch wird der Prostitution und Kriminalität entgegengewirkt. Durch die Sammlung von gebrauchten und überarbeiteten Werkzeugen, Nähmaschinen und Bügeleisen (werden zur Ausbildung gebraucht) leistet der Ghana e.V. einen wichtigen Beitrag zur Berufsausbildung.

 

Einige Beispiele für Aktivitäten in der RYA

1994 wurden mit Entwicklungshilfegeldern des Niedersächsischen Ministeriums für Bundesangelegenheiten 9 Brunnen in der Nkoranza-Region gebohrt. Hierdurch wurde die Wasserversorgung in 7 Dörfern entscheidend verbessert und die Gründung einer weiteren Kreditgenossenschaft ermöglicht.